Ein großes Abenteuer

Auszug aus dem Buch:  A Grand Adventure von Ron Corbett

A Grand Adventure

Amerikas erste transkontinentale Lastwagenfahrt von 1911

Im Sommer 2008 recherchierte Ron Corbett über eine vor 100 Jahren auf dem Ottawa River durchgeführte Floßfahrt und schrieb eine Serie von Zeitungsartikeln darüber, sowie ein Buch „One Last River Run“.

Als er eines Tages nach Hause kam, entdeckte er ein E-Mail von einer Frau Rowena Stickler. Diese teilte ihm mit, dass sie einen „crazy old uncle“ hatte, der diese Reise machte. Gleichzeitig teilte sie ihm mit, dass ein anderes Familienmitglied (George A. MacLean) ein Mann aus Campell`s Bay, der erste Mann war, der einen LKW quer durch die Vereinigten Staaten lenkte.

Dies war der Anfang des Buches „A Grand Adventure“. Es war ein vielversprechender Anfang, aber es gab sofort große Probleme. Während das MACK Museum einige schöne Fotos hatte, gab es kaum Aufzeichnungen über die Reiseroute. Diese konnte nur durch Mithilfe vieler Personen rekonstruiert werden.

Im Jahre 1911 brachen 4 Männer – George MacLean (Demonstrationsfahrer und Mechaniker der Saurer Motor Works), Anton Westgard, (Präsident des Touring Club of America), Arthur Thompson (sein Vater hatte die Verkaufsrechte der SAURER Motor Works und war vortrefflicher Ausrüster der kleinen Expedition) und Howard Grey (ein Mechaniker aus Denver, der von Mr. Thompson in einem Casino angetroffen wurde und von ihm zur Reise überredet wurde),  von Denver – Colorado – auf, mit dem Bestreben, einen SAURER-Lastwagen quer über den Kontinent der Vereinigten Staaten zu fahren.

Der Lastwagen wurde von den SAURER Motor Works, welcher ein Teil von MACK war, gebaut. Die Saurer Motor Works Company hat ihren Verkauf 1908 in New York City begonnen. 1910 wurden noch 128 SAURER Lastwagen aus der Schweiz importiert. Anschließend folgte ein Werk in Plainfield, New Jersey.  Jahre später beendete MACK die Zusammenarbeit mit SAURER und der Name verschwand in den Vereinigten Staaten.

Bei dem Lastwagen handelte es sich um einen 4,5 Tonnen Wagen ( Motor 4 Zyl. 37 PS, Kettenantrieb) welcher bei der Fahrt ein Gesamtgewicht von 8,5 Tonnen hatte.

Die Männer gaben dem Lastwagen den Spitznamen „ Pioneer Freighter“.

Reklametafel

Das Foto zeigt eine Replik der Originalreklametafeln, die auf beiden Seiten der Ladefläche am Lastwagen angebracht waren.

Nachdem die Geschäftsleitung nicht sicher war, ob der Lastwagen diese Strecke ohne Pannen zurücklegen kann, startete man in Denver und fuhr zuerst nach Los Angeles. Diese erste Etappe war 1531 Meilen lang für die man 63 Tage benötigte.

Nachdem dies ohne große technische Probleme geschehen war, fuhr man weiter quer durch die Vereinigten Staaten bis nach New York. Dabei legte man eine Strecke von 2300 Meilen zurück, wofür man 68 Tage benötigte.

Die Fahrt war entgegen der ersten Meinungen und Bedenken ein voller Erfolg. Es war dies die Anfangszeit der Motorisierung in Amerika, eine Zeit, in der so große Charaktere wie ein Cannonball Baker, ein Carl Fisher, ein Teddy Roosevelt und ein Jack Mack hervorbracht wurden.

Eisenbahntrassen

Die SAURER Transkontinental Lastwagenfahrt von 1911 war perfekt für die damalige Zeit und eine Weichenstellung für die Zukunft. Eine verrückte, kaum zu schaffende Fahrt auf nicht vorhandenen Straßen. Zeitweise mussten auch die Eisenbahntrassen herhalten, wenn kein Weiterkommen mehr möglich war.

Man muss auch bedenken, dass es zu dieser Zeit, außer in den Städten, kaum befahrbaren Straßen gab. Schneestürme in den Rockies, Sandstürme in New Mexiko, Regengüsse und extreme Temperaturschwankungen in Arizona, wobei die Räder des Lastwagens im Schlamm einfroren, Schlammfelder mussten in den Great Plains  durchquert  werden.

SchlammfelderSumpf

Weiters mussten dabei die Rocky Mountains überquert werden, wobei einige Pässe über 3000 Meter hoch waren. Den tiefsten Punkt erreichten sie in der Sonoranwüste. Dieser liegt  200 Meter unter dem Meeresspiegel.

Rocky Mountains

Es war eine praxisbezogene Testfahrt  eines Kommerzwagens und seiner Haltbarkeit,  welche zum ersten Mal gelang. Dies war auch der Beginn der berühmten „Road 66“.

Kommentar von A.L. Westgard – Präsident des Touring Club of America – bei der Ankunft in New York, welcher einer der 4 Personen auf dem Lastwagens war: „Ich kann nur wahrheitsgemäß sagen, dass ich noch nie in meinem Leben so etwas Verrücktes und Brutales gemacht habe, was man als Bestrafung ansehen kann. Auch für 10.000 Dollar würde ich diese  schreckliche, rückenbrechende Fahrt nicht wiederholen. Es war eine nervenaufreibende Fahrt, die eine Bestrafung für die Haltbarkeit von  Menschen  und Material war und ihresgleichen in den Annalen suchen kann.“

George MacLean in einem Brief an seine Frau: „ Es ist dies die härteste Reise die überhaupt mit einem Lastwagen unternommen worden ist und der Namen SAURER wird nicht vergessen werden.“

Obwohl SAURER zu diesem Zeitpunkt ein Teil von MACK war, wurde diese Fahrt nicht von MACK unterstützt. Alle Saurer betreffenden Dokumente wurde im Rahmen der Fusion im Jahre 1911 der International Motor Company übergeben und anschließend dem MACK Trucks Historical Museum zugeführt. Die originalen Pioneer Frighter Broschüren und viele der von A.L. Westgard gemachten Fotos sind Teil der Museumsdauerausstellung. Was mit dem bei der Fahrt benützten LKW geschah, ist nicht bekannt.

Nach der Durchquerung

Das Foto zeigt den Lastwagen nach der Durchquerung des Kontinentes. Der Aufbau wurde abgenommen und George MacLean lenkte den Wagen zurück in das Saurer Werk nach Plainfield

Das Buch ist in englischer Sprache beim General Store Publishing House (ISBN 978-1-897508-90-9) in Ontario, Kanada, erhältlich.